Gerne steht Ihnen Marek Beles für ein persönliches Interview
zur Verfügung. Termine nach Absprache (.i
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Interview mit Marek Beles, Regisseur von
'Stages'
Das Interview führte Joachim Roth im Sommer 2004
Kurzversion des Interviews
Was ist der Ausgangspunkt für Euren Film?
Marek Beles: Der 'Point of attack' ist das Leben nach
den Krebstherapien. Wir erzählen die Geschichte einer
Frau, die zurück ins Leben will - und nicht die Geschichte
einer Frau, die gegen eine Krankheit ankämpft. Wir wollen
einen Film über das Thema Krebs realisieren, der dem Zuschauer
eine andere Perspektive eröffnet: Die Sicht auf eine Person,
die alle Behandlungen abgeschlossen hat und wieder Fuß
fassen möchte. Darum ist es für mich in erster Linie ein
Film über das Leben.
Also das Leben neu erfahren?
M.B.: Ja. Wobei das nicht etwas ist, was von heute auf
morgen geht. Für uns war es wichtig, sich mit dem Leben
bewusster auseinander zu setzen. Im Alltag die Lebensfreude
nicht zu vergessen und das Leben als etwas Schönes sehen.
Für mich, der bisher eher lustige Stoffe verfilmt hat,
war dies der Anreiz, diesen Film zu machen. Der Kontrast
zwischen der Freude am Leben und die Auseinandersetzung
mit dem Tod.
Das Thema Krebs steht also nicht im Vordergrund?
M.B.: Nein, aber es schwingt immer im Hintergrund mit.
In bestimmten Szenen versuchen wir, den 'Krebs' explizit
zu erwähnen, der Zuschauer soll ja auch wissen, worum
es geht. Das Hauptproblem der Figur ist aber eher der
Umgang mit ihrem Umfeld, welches anders auf die Krankheit
reagiert als Ina es sich wünschen würde, und ihr dadurch
das Leben erschwert. Es wird aber nicht auf die dramatische
Art auf die Tränendrüse gedrückt. Wir versuchen einen
schmalen Grad zu gehen: Einerseits wollen wir den Respekt
vor der Krankheit wahren und andererseits trotzdem einen
hoffnungsvollen, zum Teil auch lustigen, Film erzählen.
Die Ina als Hauptfigur hat einen sehr starken Drang
nach dem Leben. Sie überlastet sich dabei selber... Was
macht Ina falsch?
M.B.: Es ist immer eine Frage des Maßes. Wenn ich das
ganz banal kategorisieren soll, würde ich sagen es gibt
drei verschiedene Arten mit dieser Krankheit und dem Leben
umzugehen. Einige der Betroffenen geben sich komplett
auf, geraten in Depressionen. Das andere Extrem, sind
die Menschen, die versuchen alles umso schneller und intensiver
zu leben. Der dritte Weg ist der berühmte Mittelweg, ein
'Weiterleben wie zuvor' mit einem neuen Bewusstsein. Man
darf die Krankheit jedoch nicht ignorieren. Man muss mit
diesem neuen Zustand leben -und genau dies ist die Schwierigkeit!
Es braucht Zeit zu lernen, sich zwischen den beschriebenen
zwei Extremen zu bewegen, ohne ins eine oder andere abzugleiten.
Unsere Hauptfigur Ina versucht am Anfang alles zu erzwingen,
alles schneller zu machen. Sie hat Angst während ihrer
Behandlung irgendetwas verloren zu haben und verdrängt
dabei ihre Krankheit. Sie muss lernen damit umzugehen.
Sie muss nicht zwingend 'schneller laufen' um ihre Ziele
zu erreichen. Denn es wird auch weiterhin Schritt um Schritt
vorwärts gehen.
Was wollt ihr den Zuschauern mit auf den Weg geben
mit diesem Film?
M.B.: Für mich soll ein Zuschauer im Kino in erster Linie
unterhalten werden und sich gleichzeitig auch mit etwas
auseinander setzen können. Diese beiden Dinge versuche
ich zu verknüpfen. Man soll sich mit der Hauptfigur Ina
und ihrer Geschichte identifizieren. Ich wünsche mir,
dass unser Publikum den Film, trotz der schweren Thematik,
'genießen' kann. Dann aber auch einen Denkanstoß auf den
Heimweg mitnimmt und den Film nicht gleich wieder vergisst.
Wie ist die Idee zu diesem Drehbuch entstanden?
M.B.: Die Filmidee, der Plot und die ersten Figuren kamen
von den Produzenten. Zuerst war es eine komplett andere
Geschichte, mit der ich mich nicht identifizieren konnte.
Man hat mich angefragt und ich bin dann in einer sehr
frühen Phase zum Projekt dazu gekommen. Die beiden Produzenten,
die Drehbuchautorin und ich haben dann langsam das Drehbuch
entwickelt, von den Figuren bis zum Film.
War es das Thema, das dein Interesse geweckt hat?
M.B.: Nicht einmal direkt das Thema Krebs. Ich erzähle
gerne Geschichten, mit denen ich mich identifizieren kann.
Das heißt aber nicht zwingend, dass man alles selber erlebt
haben muss. Man braucht einfach einen Zugang zur Geschichte.
Ich habe durch das Thema tatsächlich selbst bereits einen
persönlichen Zugang zu dieser Geschichte, das war aber
nicht die Hauptantriebsfeder. Mir haben die Geschichte
und die Hauptfiguren gefallen. Und dann vielleicht die
Idee, dieses Thema auch einmal anders zu verarbeiten,
als ich es aus bereits bestehenden Filmen kenne.