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- Erfahrungsbericht
Zahlen und Fakten
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.
Jede zehnte Frau ist im Lauf ihres Lebens von der Krankheit
betroffen. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts
erkranken allein in Deutschland jährlich rund 47.500 Frauen
an Brustkrebs, in der Schweiz sind es etwa 4.000. Dabei
ist zu beachten, dass die Zahl der Neuerkrankungen in
den letzten Jahren gestiegen ist; vor allem erkranken
auch immer mehr junge Frauen an Brustkrebs. Rund 20 Prozent
der Betroffenen sind mittlerweile jünger als 45 Jahre.
Die Ursachen des Brustkrebs - wie die der Krebskrankheiten
überhaupt - sind noch weitgehend unerklärt. Wissenschaftlich
nachgewiesen ist, dass etwa fünf bis zehn Prozent der
Brustkrebsfälle erblich bedingt sind.
Der Grund für die mangelnden Kenntnisse über die Ursachen
der Krankheit liegt darin, dass Krebs keine einheitliche
Krankheit darstellt, sondern ein Oberbegriff für mehr
als hundert verschiedene bösartige Tumorerkrankungen ist.
Nahezu jedes Gewebe in unserem Körper kann krebsartige
Entartungen hervorbringen. Die Krebszellen beachten die
Beschränkungen des Zellwachstums nicht mehr und folgen
ihrem eigenen Vermehrungsprogramm. Hinzu kommt noch die
Eigenschaft, dass sie den Ort ihres Entstehens verlassen
und in benachbarte Gewebe eindringen können. Selbst an
weit entfernten Stellen im Körper können sie zu neuen
Wucherungen anwachsen. Tumoren aus bösartigen Zellen werden
im Verlauf ihrer Entwicklung immer aggressiver. Sie können
schließlich zum Tod führen, wenn sie lebenswichtige Gewebe
und Organe bis zur Funktionsunfähigkeit schädigen.
Die Behandlungsmethoden konnten in den letzten Jahren
deutlich verbessert werden, dennoch bleibt die Früherkennung
die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung von Brustkrebs.
Nach übereinstimmenden Ergebnissen internationaler Untersuchungen
haben Frauen, bei denen der Tumor in einem Frühstadium
entdeckt worden war, eine über 98prozentige Überlebensrate
von mehr als fünf Jahren.
Die psychischen Belastungen einer Brustkrebserkrankung
und der Therapien sind enorm. Diesen ständig präsenten
und plagenden Alptraum möchte man am liebsten aus dem
Gedächtnis löschen, oder "sich einfrieren lassen, bis
alles vorbei" ist. Neben der Angst vor dem Sterben und
den körperlichen Belastungen durch die Behandlung ist
die Angst vor dem Verlust der Weiblichkeit ein zentrales
Thema für die Patientinnen. Das Vertrauen zum eigenen
Körper muss erst wieder hergestellt werden und auch körperliche
Zärtlichkeit kostet viele Patientinnen zunächst Überwindung.
Auch wenn die Behandlung (zumeist Operation und/oder Chemotherapie
und/oder Bestrahlung) "erfolgreich" abgeschlossen ist,
bedeutet dies noch lange nicht, dass man zu 100 Prozent
gesund ist. Die Schulmediziner und die meisten Patientinnen
"warten" auf den Rückfall. In den ersten Jahren nach der
Erstbehandlung sind die Nachsorgeuntersuchungen beim Arzt
sehr häufig. Für viele Betroffene gleicht dies immer wieder
einem Gang zum Schafott. Denn jedes Mal könnte das Ergebnis
heraus kommen, dass man einen Rückfall erlitten hat.
Nach der Krebstherapie muss man sich wieder im Leben zurecht
finden. Mit der Diagnose Krebs wird man aus seinem bisherigen
Leben gerissen und beschäftigt sich fortan nur noch mit
der Krankheit. Was "Leben" bedeutet, wird völlig vergessen.
Viele Patientinnen können während der oft monatelangen
Therapien ihre Beruf nicht mehr ausüben, weil es zu anstrengend
ist. Aber auch die Freizeit wird zu einem großen leeren
Raum. Plötzlich hat man Zeit zum Nachdenken, was viele
in eine Depression stürzen kann. Viele Selbsthilfebücher
über Krebs empfehlen zur Erholung des Geists und Körper,
sich mit Dingen zu beschäftigen, die einem Spaß machen.
Wichtig aber ist auch, die Krankheit nicht zu verdrängen.
Es braucht Zeit eine solche schwere Krankheit zu bewältigen
und eine gesunde Auseinandersetzung kann den Heilungsprozess
nur unterstützen.
Quellen:
Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister
(2004): Krebs in Deutschland; Robert Koch Institut, Saarbrücken
Eiermann / Böttger (2001): Brustkrebs wirksam behandeln;
Weltbild Verlag, München
Malter / Süss (1996): Krebs im Blickpunkt, in: Spektrum
der Wissenschaft Nr. 1/96; Decker & Müller, Heidelberg
Erfahrungsbericht
R.S. (Studentin, Diagnose Brustkrebs im Alter von 22 Jahren)
Nie hätte ich in meinem Alter mit der Diagnose
"Brustkrebs" gerechnet. Und dann ging auf einmal
alles ganz schnell.
Was Krebs überhaupt ist, habe ich erst in
der Nacht vor der Operation erklärt bekommen. Zu Beginn
der Chemotherapie kam das erste Mal eine Ahnung auf, wie
lange der Weg sein wird, bis ich vielleicht wieder ein
normales Leben führen kann. Und diesen Tag hatte ich auch
jeden Tag der Bestrahlung vor Augen: Ich freute mich riesig
darauf, wenn alles vorbei sein sollte. Doch als es endlich
soweit war, musste ich realisieren, dass nichts mehr so
ist und nichts mehr so sein würde, wie es mal gewesen
war.
Man wird von der Behandlungsmaschinerie
des Krankenhauses entlassen und muss sich erst mal wieder
orientieren. Einer der ersten Gedanken war gleich wieder
"Krebs". Es kam mir vor, als bleibt mir dieses
Wort auf der Stirn eintätowiert. Zudem konnte ich mich
gar nicht freuen, denn zum einen war ich sowohl physisch
als auch psychisch kaputt von den Therapien, zum anderen
hatte ich vergessen wie es ist, normal zu leben. Vor allem
ist man nach der Therapie nicht "geheilt". Zwar
kann können keine Krebszellen mehr nach-gewiesen werden,
aber Du hast das Gefühl, die Ärzte warten nur auf den
ersten Rückfall. Wie in einem schlechten Film hatte ich
den Arzt gefragt, wie viel Zeit mir noch bleibt. Fünf
Jahre sollten es noch sein...
Ich überlegte mir, was ich noch alles tun
wollte. Ich hatte das Verlangen, in dieser verbleibenden
Zeit noch alles zu erleben, wie ich es sonst vielleicht
bis 80 hätte tun können. Am Anfang lebte ich wie auf der
Überholspur. Keiner konnte Mithalten, weder meine Freunde
noch meine Familie. Aber ich auch nicht! Kurz vor der
ersten Nachuntersuchung kam das Loch. Ich kaufte mir keine
neuen Klamotten mehr, wollte meine Bankkonten schließen,
denn das Leben würde sowieso bald zu Ende sein. Ich hatte
ziemlich Panik vor dem Arzttermin, denn ich war mir sicher,
dass der Krebs wieder ausgebrochen war. Ich wollte mich
am lieben gleich selber begraben. Zum Glück ließ mein
Freund dies nicht zu. Jedes Mal wenn ich aufgeben und
mich gehen lassen wollte, riss er mich wieder auf die
Beine.
Mein Leben war seit der Diagnose eine Achterbahn
mit ziemlichen Extremen. Doch "einen goldenen Mittelweg"
zu finden war nicht einfach. Ich sehnte mich nach dem
normalen Leben zurück und musste für mich irgendwann mal
begreifen, dass dies nicht mehr möglich ist. Das Vertrauen
in den eigenen Körper blieb noch ein ziemliches Weilchen
gestört. Doch ich lernte mit der Angst vor einem Rückfall
umzugehen: anstatt mich vor Angst auffressen zu lassen
und auf den Krebs warten, will ich mein Leben weiterleben,
wie ich es mag. Aber weder indem ich mich in einem Loch
verkrieche und vor Selbst-mitleid zerfliesse, noch durch
einen Turbogang der mich überfordert. Sondern Schritt
für Schritt. Denn das Leben erscheint mir jetzt noch viel
kostbarer.